Soll ich 2026 eine Ausbildung als Orthopädieschuhmacher/in beginnen? Diesen Beitrag schreibe ich für alle, die sich vorstellen könnten, eine Lehre zu beginnen, und für alle, die sich einfach für dieses faszinierende Handwerk interessieren.
Da der Beruf des Orthopädieschuhmachers in der Öffentlichkeit oft unbekannt ist, teile ich hier meine persönlichen Erfahrungen. Vielleicht hilft dieser Einblick dem einen oder anderen bei der Berufsentscheidung.
Mein Weg in die Orthopädieschuhtechnik
Ich muss gestehen: Während meiner Schulzeit hatte ich keine Ahnung, was ich werden wollte. Da ich ein ziemlich schlechter Schüler war, hagelte es Absagen auf meine Bewerbungen. Über ein Praktikum fand ich schließlich eine Stelle als Zerspanungsmechaniker.
Nach der Gesellenprüfung arbeitete ich in der Zeitarbeit und lernte viele Industriebetriebe kennen. Schnell merkte ich: Das das nichts für mich ist. Ich wollte abwechslungsreicher und individueller arbeiten. Durch eine Bekannte wurde ich auf die Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik aufmerksam. Kurzerhand schickte ich Bewerbungen raus und konnte noch im selben Jahr meine Ausbildung beginnen. Im Nachhinein war der Direkteinstieg ohne Branchenkenntnis riskant, aber ich hatte Glück, und habe gleich gemerkt das dieser Beruf besser zu mir passt.
Hat das Orthopädieschuhmacher-Handwerk Zukunft?
Die aktuelle Lage sehe ich so: Immer weniger Betriebe teilen sich einen wachsenden Markt. Viele selbstständige Kollegen gehen in den Ruhestand, ohne einen Nachfolger zu finden. Gleichzeitig wächst der Bedarf, da unsere Gesellschaft immer älter wird. Auch wenn Prognosen schwer sind: Der Bedarf an individuellen Hilfsmitteln wird vorerst bleiben.
Wo kann man den Beruf erlernen?
Ausbildungsplätze findet Ihr Klassischerweise in:
- Sanitätshäusern (mit einer entsprechenden Fachabteilung Orthopädieschuhtechnik)
- Inhabergeführten Meisterbetrieben der Orthopädieschuhtechnik
Mein Tipp: Wenn ein Betrieb keine Stelle ausgeschrieben hat, sucht das direkte Gespräch. Manchmal haben Kollegen vielleicht schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden gemacht und bieten deshalb keine Lehrstelle an.
Selbst wenn ein Unternehmen keinen Ausbildungsplatz anbietet, kennen die Mitarbeiter vor Ort vielleicht Kollegen oder Betriebe die noch nach einem oder einer Auszubildenden suchen.
Gehalt: Was verdient man als Orthopädieschuhmacher?
Man muss ehrlich sein: Die Verdienstmöglichkeiten sind tendenziell niedriger als in der Industrie oder anderen Handwerken. Mein Einstiegsgehalt als Geselle lag seinerzeit bei 1.500 € brutto. Heute (Stand 2026) sieht die Welt dank Mindestlohnanpassungen anders aus:
- Einstiegsgehalt Geselle: nach meiner Recherche ca. 2.400 € – 2.900 € brutto.
- Ausbildungsvergütung: Für Ausbildungen, die 2026 starten, liegt die gesetzliche Mindestvergütung im ersten Lehrjahr bei 724 € und steigt pro Lehrjahr an.
Betriebe, die händringend suchen, bieten aber oft mehr als nur den gesetzlichen Standard oder locken mit anderen Anreizen.
Vor- und Nachteile: Was erwartet dich im Alltag?
Was mir gefällt:
- Abwechslung: Das Feld reicht vom Einlagenbau über die Schuhzurichtung (Umarbeiten von Konfektionsschuhen), bis zum Maßschuhbau und Kompressionsstrumpfversorgung.
- Technologie: Innovationen wie 3D-Druck und digitale Scan und Messtechnik sind wichtig und werden sich weiterentwickeln so wird es kaum langweilig.
- Soziale Komponente: Wir arbeiten für und mit Menschen. Es ist ein sehr sozialer Beruf mit viel direktem Kundenkontakt.
- Kreativität: Man kann handwerklich arbeiten und oft eigene gestalterische Entscheidungen treffen.
Was Ihr wissen solltet:
- Staub & Dämpfe: Man schleift und klebt viel. Trotz Absaugung sollte man bei einigen Arbeiten konsequent eine Maske tragen.
- Schmutz: Kunden bringen ab und zu alte oder dreckige Schuhe zur Reparatur – da darf man nicht zimperlich sein.
- Mentale Belastung: Was mir seit ich Meister bin oft passiert ist das ich auch in meiner Freizeit regelmäßig noch an die Arbeit denke was ich manchmal als etwas belastend wahrnehme.
Fazit
Ich habe versucht einen allgemeinen Überblick über das Berufsfeld des Orthopädieschuhmachers aus meiner Sicht zu geben.
Wer mit dem Gedanken spielt eine Ausbildung als Orthopädieschuhmacher zu beginnen ist gut beraten vorher mal in den Beruf Reinzuschnuppern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausbildung
1. Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher? Es gibt keine Vorgaben, während meiner Ausbildung waren in meiner Berufsschulklasse alle Schulabschlüsse vom Hauptschulabschluss über Realschulabschluss bis zum Abiturient alles vertreten.
2. Ist der Beruf körperlich sehr anstrengend? Ich nehme den Beruf im vergleich zu meiner früheren Tätigkeit als Zerspanungsmechaniker weniger körperlich anstrengend wahr da wir halb sitzend und halb stehend arbeiten und die Werkstücke in der Regel nicht so schwer sind
3. Welche Karrieremöglichkeiten bietet eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher? Der klassische Karriereweg sieht meistens so aus, dass man nach der bestandenen Gesellenprüfung die Möglichkeit hat, eine Meisterschule zu besuchen und seinen Meistertitel zu erwerben um sich dann vielleicht Selbstständig zu machen. Darüber hinaus besteht oft die Möglichkeit, bereits während der Ausbildungszeit über die Berufsschule die Fachhochschulreife zu erlangen. Damit steht einem anschließend sogar ein Studium offen (z. B. im Bereich Orthopädietechnik oder Biomechanik).
Wenn Ihr mehr wissen wollt oder euch meine Sicht zu einzelnen Themenbereichen rund um die Orthopädieschuhtechnik Interessiert schreibt gerne einen Kommentar.
Und ich antworte direkt oder schreibe gleich noch einen weiteren Beitrag zum Thema.;-)