Die häufigsten Fußformen und ihre Eigenschaften
Jeder Fuß ist anders und ganz Individuell. Selbst der linke und der rechte Fuß einer Person sind nicht immer gleich groß. Drei Fußformen des gesunden Fußes findet man in der Praxis regelmäßig vor: römisch, griechisch und ägyptisch. Auf der Abbildung könnt Ihr Sie sehen und auch Tipps zur Beachtung dieser Fußformen beim Schuhkauf lesen.
Die Füße von Familienmitgliedern betrachten, am Strand Spurensuchen und die Fußform raten, kann sehr lustig sein. Manchmal entdeckt man dabei auch außergewöhnliche Formen. Im Internet bin ich auf zwei weitere Formen gestoßen, die Germanische und die Keltische. Hier daher nun eine Übersicht zu den drei häufigsten und zwei weiteren Fußformen.

Der ägyptische Fuß — die häufigste Form
Beim ägyptischen Fuß ist die große Zehe die längste — jede weitere Zehe wird stufenförmig kürzer. Diese Fußform tritt bei etwa 70 Prozent aller Menschen auf und ist damit die mit Abstand häufigste.
Beim Schuhkauf bedeutet das: Der Schuh muss im Bereich der großen Zehe ausreichend Platz bieten — sowohl in der Länge als auch in der Höhe der Zehenbox. Zu enge Schuhe drücken die große Zehe nach innen und begünstigen langfristig die Entstehung eines Hallux valgus. Menschen mit ägyptischem Fuß sollten besonders auf eine gerundete, großzügige Schuhspitze achten und spitze Modelle meiden.
Einlagenversorgung: Bei dieser Fußform ist der Großzehenballen häufig stärker belastet. Eine Einlage mit Ballenpolster oder Metatarsalstütze kann die Druckverteilung verbessern und Beschwerden wie Ballenschmerzen oder Spreizfuß lindern.
Der griechische Fuß — die zweite Zehe ragt heraus
Beim griechischen Fuß ist die zweite Zehe länger als die große Zehe. Diese Form kommt bei etwa 20 Prozent der Menschen vor — häufiger als viele denken.
Die Herausforderung beim Schuhkauf: Die meisten Schuhe sind auf den ägyptischen Fuß zugeschnitten — die Schuhspitze hat ihren höchsten Punkt über der großen Zehe. Beim griechischen Fuß drückt deshalb die zweite Zehe gegen die Schuhkappe, was zu Nagelveränderungen, Hühneraugen und Hammerzehen führen kann.
Wer einen griechischen Fuß hat, sollte Schuhe mit einer breiteren, höheren Zehenbox bevorzugen und die Länge immer an der zweiten — nicht an der großen — Zehe messen. Ein Fingerbreit Platz zwischen der zweiten Zehe und der Schuhspitze ist das Ziel.
Der römische Fuß — die gleichmäßige Form
Beim römischen Fuß sind die ersten drei Zehen annähernd gleich lang. Diese Form ist mit etwa 10 Prozent die seltenste der drei Hauptformen.
Schuhkauf ist hier vergleichsweise unkompliziert: Schuhe mit breiter, quadratischer Zehenbox passen gut. Probleme entstehen vor allem dann, wenn zu spitze oder zu schmale Modelle getragen werden — dann werden alle drei vorderen Zehen gleichmäßig zusammengedrückt.
Die Leistenform des Schuhs — warum sie entscheidend ist
Der Leisten ist die Form auf der ein Schuh produziert wird. Er bestimmt die Grundform des Schuhs — und damit ob ein Schuh zu einem bestimmten Fuß passt oder nicht.
Ein Schuh mit schmalem, spitzem Leisten passt zu keiner der drei Fußformen wirklich gut. Ein breiter, gerundeter Leisten hingegen gibt allen Fußformen mehr Spielraum. Wer im Schuhgeschäft steht und sich unsicher ist, kann folgende Faustregel anwenden: Den Schuh neben den Fuß halten — die Schuhform sollte die Fußform grob widerspiegeln.
Als Orthopädieschuhmachermeister sehe ich täglich was passiert wenn Leisten und Fußform dauerhaft nicht zusammenpassen: Druckstellen, Nagelveränderungen, Fehlstellungen — Beschwerden die sich über Jahre entwickeln und vermeidbar gewesen wären.
Weitere Fußformen — germanisch und keltisch
Neben den drei klassischen Formen gibt es zwei weitere die seltener beschrieben werden:
Der germanische Fuß ähnelt dem ägyptischen Fuß, hat jedoch eine breitere Grundfläche und kürzere Zehen insgesamt. Der keltische Fuß wiederum zeigt eine Kombination: Die zweite Zehe ist die längste, aber die übrigen Zehen fallen weniger gleichmäßig ab als beim griechischen Typ. Beide Formen sind in der wissenschaftlichen Literatur weniger einheitlich definiert als die drei Hauptformen — in der Praxis spielen sie eine untergeordnete Rolle, sind aber interessant für alle die ihren eigenen Fuß besser verstehen möchten.
Fußform und orthopädische Versorgung
Die Fußform allein sagt noch nichts darüber aus ob jemand Beschwerden hat oder haben wird. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Fußform, Leistenform des getragenen Schuhs, Körpergewicht, Gangbild und Belastung im Alltag.
Bei der Einlagenversorgung ist die Fußform ein wichtiger Ausgangspunkt — aber nicht der einzige. Ich nehme bei jedem Patienten einen vollständigen Fußabdruck und beurteile die Druckverteilung, Beinachse und das individuelle Beschwerdebild. Einlagen werden nicht nach Fußform-Schablone gefertigt sondern auf die konkrete Situation abgestimmt.
Wenn Ihr Fragen zu Eurer Fußform habt oder unsicher sind ob Euer Schuhwerk wirklich zum Fuß passt — ich berate Euch gerne.
Euer Philipp.