Gute Materialien und optimale Beschaffenheit von Kinderschuhen
Kinderschuhe gibt es in einer Vielzahl an Formen, Farben und Materialien. Ein Schuh wird unterteilt in die Sohle sowie den Schaft (bestehend aus Innenfutter und Obermaterial).
Die Sohle
Schuhsolen für Kinderschuhe sind in der Regel aus Kunststoff bzw. Gummi (vulkanisiertes Kautschuk) hergestellt.
Was solltet ihr beachten:
Die Sohle sollte auf jeden Fall flexibel sein. Das heisst, wenn man den Schuh in die Hand nimmt, sollte er sich leicht biegen und wringen lassen. Diese Flexibilität ermöglicht es den Kinderfüßen, sich zu entfalten und zu trainieren. Ist die Sohle zu starr, wird der Fuß nicht ausreichend beansprucht und es kommt zu einem Bewegungsmangel der Fußmuskulatur.
Fersenkappe und Zehenschutz
Neben der Sohle lohnt sich ein Blick auf die Ferse. Die Fersenkappe sollte die Ferse sicher umschließen und dem Fuß Halt geben, ohne hart oder kantig zu sein. Drückt ihr die Fersenkappe mit dem Daumen ein, sollte sie leicht nachgeben und wieder in ihre Form zurückgehen. Ist sie völlig weich, rutscht der Fuß leicht im Schuh hin und her. Ist sie zu hart, kann sie scheuern. Bei Kindern, die viel draußen unterwegs sind, ist außerdem ein Zehenschutz praktisch. Gemeint ist eine Gummi- oder Kunststoffkappe vorne am Schuh. Sie schützt das Obermaterial vor schnellem Verschleiß, etwa beim Laufradfahren oder Bobbycarfahren.
Der Schaft (Obermaterial und Innenfutter)
Für das Obermaterial und das Innenfutter werden ganz unterschiedliche Materialien verwendet.
Ganz klassisch ist hier Leder zu nennen:
- Leder ist ein Naturprodukt (gegerbte Tierhaut).
- Es ist strapazierfähig, langlebig und vermittelt durch seine Haptik ein angenehmes Tragegefühl.
- Leder ist in der Lage während des Tragens vom Fuß abgegebene Feuchtigkeit aufzunehmen. Die aufgenommene Feuchtigkeit wird nach dem Tragen wieder abgegeben, sprich das Leder trocknet.
- Häufig wird Leder nach dem Gerben noch weiterverarbeitet. So kann es sein das z.B. eine Farb- oder Lackschicht aufgebracht wird, was die Empfindlichkeit beispielsweise gegenüber Schmutz positiv aber die Atmungsaktivität negativ beeinflusst. Normalerweise sollte solches Leder entsprechend gekennzeichnet sein (siehe Bild).
- Ist das nicht gegeben kann man beim Händler oder Hersteller nachfragen oder man verzichtet und wählt ein gekennzeichnetes Produkt.
- Die Kennzeichnungen befinden sich regelmäßig auf Aufklebern im Schuh, an Aufnähern im Laschenbereich oder am Preisschild mit Herstellerinfo.
Auch häufig zum Einsatz kommen verarbeitete Natur oder Kunstfasern:
- Diese werden häufig mit dem Sammelbegriff „Textil“ bezeichnet.
- Hier sind zum Beispiel Leinen, Hanf oder Baumwollfasern als natürliche und Polyester, Polyamid oder Polyacryl als synthetische Fasern zu nennen.
- Aufgrund der Tatsache, dass die Fasern meist zu einem Stoff verwebt sind, ist die Dampfdurchlässigkeit sehr gut.
- Vom Fuß abgegebene Feuchtigkeit kann gut nach außen abgeleitet werden.
- Somit weisen Schuhe, die aus solchen Materialien hergestellt sind, oft eine gut Atmungsaktivität auf.
Als Weiterentwicklung von Textil sind noch sogenannte Funktionstextilien zu nennen:
- Es handelt sich um Fasern mit bestimmten Eigenschaften z.B. schwer entflammbar oder säure-resistent.
- Diese werden in der Regel für Spezialanwendungen (Berufsschuhe) zum Einsatz kommen.
- Es gibt Sie aber auch für den Hausgebrauch, oft im Bereich Outdoorschuhe.
- Im Material befindet sich eine Membran, welche Feuchtigkeit von innen nach aussen aber nicht von aussen nach innen lässt.
- Leider funktioniert das nur optimal bei bestimmten Umweltbedingungen, nämlich bei niedriger Außentemperatur und geringer Luftfeuchte.
Und was ist mit Kunstleder?
- Kunstleder, oft auch als „Lederimitat“ oder „Synthetik“ bezeichnet, besteht meist aus einem Trägergewebe mit einer Kunststoffbeschichtung, zum Beispiel aus Polyurethan (PU).
- Es ist günstig, pflegeleicht und oft vegan.
- Der große Nachteil: Die Kunststoffschicht lässt kaum Feuchtigkeit durch. Der Fuß schwitzt schneller, und das Klima im Schuh wird feucht.
- Bei Kinderschuhen, die den ganzen Tag getragen werden, würde ich deshalb eher zu Leder oder Textil greifen. Für Schuhe, die nur kurz getragen werden, ist Kunstleder durchaus in Ordnung.
Mein Lieblingsmaterial, für den Schaft, ist Leder, die Eigenschaften und die Haptik sprechen mich einfach an. Wahrscheinlich nicht zuletzt auch deshalb weil es sich toll ver- und bearbeiten lässt. Da kann ich als Schuhmacher einfach nicht aus meiner Haut. Bei der Laufsohle darf es gerne Gummi sein. Ich mag Gummi, weil es recht abriebfest, flexibel und wie sollte es anders sein, gut zu verarbeiten ist.
Worauf achte ich beim Schuhkauf?
Kaufe ich Schuhe für mich oder meine Kinder, achte ich darauf, dass der Schuh sich innen weich und geschmeidig anfühlt. Das Obermaterial sollte je nach Einsatzzweck, einen robusten und wertigen Eindruck machen. Die Flexibilität der Sohlen prüfe ich mit meinen Händen. Ich biege den Schuh und verdrehe ihn, beides muss leicht möglich sein.
Schadstoffe: Worauf ihr achten könnt
Gerade bei Kinderschuhen spielt auch die Frage nach Schadstoffen eine Rolle. Beim Gerben von Leder wird häufig Chrom eingesetzt. Problematisch ist vor allem Chrom(VI), das Allergien auslösen kann. In der EU gilt dafür ein strenger Grenzwert für Lederprodukte mit Hautkontakt. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet auf Prüfsiegel wie den OEKO-TEX Leather Standard oder fragt nach pflanzlich gegerbtem Leder. Ein einfacher Test ist außerdem eure Nase: Riecht ein Schuh stark chemisch, würde ich ihn eher im Regal lassen.
Fazit
Die Materialvielfalt ist groß, die jeweiligen Eigenschaften ganz verschieden.
Die optimale Materialkombination soll folgende sein: Flexible Sohle kombiniert mit atmungsaktivem Schaft.
Hier ein Überblick zu den verschiedenen Kennzeichnungen (für Leder gibt es mehrere Symbole):

Wenn ihr euch neben den Materialien auch zum Thema Passform informieren wollt, lest doch meinen Artikel hierzu: http://schuhschule.de/2020/01/31/wie-finde-ich-den-passenden-schuh-fuer-mein-kind/
Euer Philipp.