Schuhe und Einlagen bei Hohlfuß
Der Hohlfuß kommt, wie viele Fußdeformitäten, in unterschiedlichen Ausprägungen vor. Nicht wenige Menschen mit Hohlfuß erfahren erstmalig beim Arzt, dass sie Hohlfüße haben. In diesem Artikel erläutere ich Euch die verschiedenen Typen von Hohlfüßen, die Einlagenversorgung bei Hohlfuß und vieles mehr.
Typen von Hohlfüßen
Vom flexiblen gut beweglichen Hohlfuß, der sich optisch kaum von anderen Füßen unterscheiden lässt, bis zum kontrakten Ballenhohlfuß, bei dem durch eine starke Verkürzung diverser Gewebestrukturen eine Bewegungseinschränkung besteht, sind die Übergänge fließend. Nach meiner Erfahrung sind es zumeist die kontrakten Hohlfüße, die den Menschen Beschwerden bereiten.
Ein stampfender Gang und eine verstärkte Belastung des Fußaußenrandes sind meist charakteristisch für den kontrakten Hohlfuß. Da nur der Vorfuß und die Ferse Bodenkontakt haben, ergibt sich ein erhöhter Druck auf den Vorfuß und es entstehen oft Druckschwielen. Darüber hinaus treten meist ein hoher Spann und gelegentlich Krallenzehen in Erscheinung, was beim Schuhkauf zu Problemen führen kann, da es schwierig ist, diesen Bedürfnissen zu entsprechen. Flexible Hohlfüße machen deutlich weniger Probleme im Alltag.


Woran erkenne ich einen Hohlfuß?
Einen ersten Hinweis gibt ein einfacher Test zu Hause: Mit nassen Füßen auf ein Blatt Papier oder trockene Fliesen stellen und den Abdruck ansehen. Beim Hohlfuß ist der Abdruck in der Mitte stark eingeschnürt oder sogar unterbrochen. Vorfuß und Ferse zeichnen sich deutlich ab, die Verbindung über den Fußaußenrand ist nur schmal. Weitere Anzeichen sind Schuhsohlen, die am Außenrand stärker abgelaufen sind, Hornhaut unter den Ballen und ein Spann, der in vielen Schuhen drückt.
Der Test ersetzt keine Untersuchung. Er hilft aber einzuschätzen, ob sich der Weg zum Arzt lohnt. Wichtig: Wenn sich die Fußform im Erwachsenenalter spürbar verändert, der Fuß also zunehmend höher wird, oder wenn Taubheitsgefühle oder Kraftverlust dazukommen, sollte das ärztlich abgeklärt werden. In seltenen Fällen stecken hinter einem Hohlfuß auch neurologische Ursachen.
Schuhe kaufen mit Hohlfuß
Der Schuh für den Hohlfuß sollte über eine gute Fersendämpfung und Abrollung verfügen. Ist keine gute Dämpfung gegeben, z.B. bei elegantem Schuhwerk, kann ein Pufferabsatz beim Orthopädieschuhmacher nachgerüstet werden. Leider wird das nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Desweiteren gut ist ein herausnehmbares Fußbett. Sollte es noch zu einer Einlagenversorgung kommen, kann dieses gegen die Einlage getauscht werden und es ist immer noch genügend Platz für den Fuß.
Darüber hinaus darf der Schuh gerne aus einem geschmeidigen Material gefertigt sein, damit er sich gut an die Fußform anpasst.
Von Vorteil ist außerdem eine gut gepolsterte Schuhzunge um Druck auf den Fußrücken (Spann) zu vermeiden. Handelt es sich um ein Modell mit Schnürung, können druckempfindliche Zonen beim Schuhebinden berücksichtigt werden. Ist es ein Modell mit Klettverschluss sollte kein Klettzug auf empfindlichen Zonen am Fußrücken liegen. Schuhe, die als Verschluss nur einen Reißverschluss besitzen eignen sich meistens nicht so gut. Ausnahme sind Gummistiefel, hier kann sich ein Reißverschluss bezahlt machen, weil er ein leichteres Einschlüpfen ermöglicht.
Grundsätzlich ist es bei Hohlfüßen empfehlenswert, Schuhe im Fachgeschäft zu testen und sich beraten zu lassen.
Einlagenversorgung bei Hohlfüßen
Bei einer Einlagenversorgung kommt es auf die Genauigkeit an. Nach einer entsprechenden Verordnung vom Arzt geht es darum, die Beschwerden möglichst gut zu dokumentieren. Hierfür eignen sich verschiedene Fußabdruck Verfahren (z.B. 2D Abdruck auf Papier, siehe Bilder oben). Ein ausführliches Gespräch gibt meist weitere Hinweise auf die Ursachen der Beschwerden.
Beim Anfertigen der Einlagen versuche ich diese so zu gestalten, dass sie den Fuß möglichst gut betten, um eine optimale flächigere Druckverteilung am Fuß zu erreichen. Erkenne ich Druckschwielen oder gibt es Patienten mit Druckschmerzen, versuche ich diese z.B. mit einer extra Aussparung zu entlasten. Ist die Einlage fertiggestellt, kontrolliere ich die Passform der Einlage am Fuß, um den besten Sitz zu gewährleisten.
Hohlfuß und Sport
Auch beim Sport, vor allem beim Laufen, macht sich der Hohlfuß bemerkbar. Weil der Fuß weniger stark einfedert, fängt er den Stoß beim Aufsetzen schlechter ab. Viele Hohlfüße rollen außerdem eher über den Außenrand ab. Ich empfehle deshalb meist einen gut gedämpften Neutralschuh. Laufschuhe mit ausgeprägter Pronationsstütze sind eher für den Knick-Senkfuß gedacht.
Beim Hohlfuß können sie den Außenrand noch stärker belasten. Wer bereits Einlagen trägt, sollte auch für die Sportschuhe eine passende Sporteinlage in Betracht ziehen, denn eine Alltagseinlage passt selten gut in einen Laufschuh. Am besten nimmt man die Einlagen zum Schuhkauf mit und probiert beides zusammen an.
Fazit
Mit dem richtigen Schuhwerk und einer guten Einlagenversorgung lässt sich beim Thema Hohlfuß einiges bewegen. Als Orthopädieschuhmachermeister in Wolfsburg berate ich Euch gern.
Euer Philipp